Interview mit Anette Struck – Schulsozialpädagogin, Gymnasium „Friedrich-Ludwig–Jahn“, Greifswald

Sehr geehrte Frau Struck stellen Sie doch einmal Ihre Schule kurz vor.

Unser Gymnasium befindet sich im Zentrum der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald. Das heutige Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium wurde 1561 gegründet. Es werden  661 SchülerInnen von 61 StammlehrerInnen  und 6 Referendare unterrichtet.

 

Worauf sind Sie bei Ihrer Schule besonders stolz?

Wir haben überwiegend lernwillige Schüler, die das Abitur ablegen möchten. Wir lernen und arbeiten in einem sehr schönen alten Gebäude und die Lehrer sind sehr motiviert, ihren Lehrstoff zu  vermitteln. Das Personal ist alters- und geschlechtsgemischt.

 

Kommen wir zu einem heiklen Thema: Mobbing. Besteht an Ihrer Schule ein Konsens im Kollegium, ab wann Lehrerinnen und Lehrer eingreifen müssen? Wenn ja, wie haben Sie diese „Eingriffsschwelle“ ausformuliert?

Durch die sehr enge Zusammenarbeit mit dem Präventionsbeauftragten der Polizei, Herrn Tschirn und durch unsere Schulungen durch Netzwerkpartner arbeiten wir nach einem erarbeiteten  Verhaltensschema. Als Eingriffsschwelle nutzen wir die klare Definition des Mobbings.

 

Was würde genau passieren, wenn ein Mobbingfall wahrgenommen oder gemeldet wird, wie ist bei Ihnen der Ablauf?

Die weiteren Handlungen bzw. Reaktionen werden von dem Schweregrad des Mobbingfalles abhängig gemacht.

In der Regel erfolgt die Meldung bei mir – SSA.

– Einschätzung des Schweregrades

– Sicherstellung der Beweise

– Information an den Schulleiter

– Information des Klassenlehrers

– event. Beobachtung des Täters – Opfers

– Gespräch mit dem Opfer, um genaue Angaben zu bekommen – eventuell Anleitung zum Führen eines Mobbingtagebuches

– Konfrontationsgespräch mit dem Täter

– Infogespräch mit den Eltern

– eventuell thematisierte Gruppenarbeit mit der Klasse

– disziplinarische Maßnahmen seitens der Schule nach Schweregrad

– Einschalten der Polizei, Herrn Tschirn

 

An wen können sich Schüler, Eltern oder Beobachter bei Ihnen wenden, wenn Schüler unter Mobbingattacken leiden?

– Schulleiter, Herr Dr. Albrecht

– Schulsozialpädagogin, Frau Struck

– Lehrerin des Vertrauens, Frau Olbert

 

Welche Empfehlung für das Eingreifen bei Mobbingfällen würden Sie anderen Schulen geben?

Meldung ernst nehmen und Taten zum Schutz des Opfers folgen lassen.

 

Was halten Sie für die besten Maßnahmen gegen Mobbing? Welche Aktivitäten gegen Mobbing, präventiv oder eingreifend, gab es bei Ihnen in den letzten 12 Monaten?

– Gruppenarbeit zum Thema Klassenzusammenhalt – Persönlichkeitsstärkung

– Arbeit mit Netzwerkpartnern wie Polizei, Herr Tschirn und Anwältin Frau Stückmann ( Webinar)

 

Von wem und in welcher Weise würden Sie sich mehr Unterstützung für Ihre Arbeit gegen Mobbing wünschen?

– Fortbildung für das päd. Personal

– Jugendpsychologen für die Schüler !!!!

Ansonsten sind wir mit den Netzwerkpartnern, insbesondere dem Präventionsrat der Stadt, sehr gut ausgerüstet. Es finden sehr viele Angebote für unsere Schüler statt.

 

Würden Sie sich einen offiziellen Anti-Mobbing-Tag für Ihr Bundesland wünschen?

Ja. Als Tag, an dem das Thema positiv in die Öffentlichkeit gebracht wird.

 

 

 

 

Über die Interviewreihe

Dieses Interview ist Teil unserer Interviewreihe mit Schulleiterinnen und Schulleitern, mit der wir einen konstruktiven Diskurs und offenen Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen zum Thema Mobbing anregen und fördern möchten. In diesem Interview beantwortet Frau Struck im Namen der Schulleitung unsere Fragen.

Die unterschiedlichen Methoden und Betrachtungen der Schulleitungen, wie sie mit Bordmitteln versuchen, Mobbing- und Gewaltangriffe wirksam zu beenden, werden von der Stiftung nicht selektiert oder bewertet. Wir danken Frau Struck für das Interview und wünschen ihr und dem Friedrich-Ludwig–Jahn Gymnasium weiterhin viel Erfolg.